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13.11.16

Wanderung Harz Brocken




Samstag, 12. November 2016
Wanderung Bad Harzburg - Brocken
7,5 Stunden



Heute steht wieder eine Wanderung an. Der Wetterbericht sagt überwiegend Sonne vorher, es ist um die 0 Grad und windstill. Wir starten wieder vom Bad Harzburger Großparkplatz und wollen von hier aus auf den Brocken wandern. Dieses Mal sind wir früh dran, wir starten um kurz vor 9 Uhr aber nach der Zeitumstellung wird es auch früh dunkel. 


Laut Wegweiser sind es 12 km bis zum Brocken und wir wollen vor Einbruch der Dämmerung wieder zurück sein. Wir nehmen zuerst den Anstieg Richtung Molkenhaus. 


Die Wanderwege sind durch das Laub kaum zu erkennen. Ständig fallen neue Blätter von den Bäumen und landen mit einem leisen Geräusch auf dem Boden, es hört sich fast an wie Regentropfen. 


Auf der Autofahrt hierher war es stellenweise sehr nebelig, jetzt klärt es sich auf und zwischen den Baumkronen sehen wir manchmal ein Stück blauen Himmel.


An der nächsten Gabelung finden wir einen Wegweiser zum Brocken über Ettersklippe und schlagen diese Richtung ein. Der Weg schlängelt sich romantisch zwischen den Bäumen hindurch die schon von einer dünnen Schicht  Pulverschnee bedeckt sind. 



Hinter dem Molkenhaus führt uns der „Braunschweiger Weg“ erst über eine Wiese, umrahmt von schneeüberzuckerten Bäumen in allen herbstlichen Farben. 


Dann auf einem steilen Pfad hinunter ins Tal.


Bisher war bis auf das Gezwitscher einiger Waldvögel und das Krähen von Raben alles mucksmäuschenstill. Jetzt bahnt sich die Ecker laut plätschernd ihren Weg durchs Unterholz. Es ist kaum zu glauben welche Lautstärke dieser kleine Fluss erzeugen kann. 


Wir begleiten ihn auf wunderschönen hügeligen Pfaden bis der riesige Stausee der Eckertalsperre vor uns liegt. 


Die von den Harzwasserwerken betriebene Anlage wurde 1943 in Betrieb genommen. Sie staut die Ecker und ihre Zuflüsse auf und dient der Trinkwasserversorgung, dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung sowie der Energieerzeugung.  Die Talsperre hat eine 420.000 Tonnen schwere Gewichtsstaumauer als Absperrbauwerk.


Bevor wir die Staumauer überqueren, trinken wir von dem köstlichen Wasser der Ecker, die Städte Braunschweig, Wolfenbüttel und Wolfsburg werden mit diesem Trinkwasser versorgt.
  

Der Bau der Talsperre erfolgte mitten im Zweiten Weltkrieg. Für die Arbeiten wurden seinerzeit auch mehrere hundert ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene eingesetzt. Zur Zeit der deutsch- deutschen Teilung verlief die Grenze mitten durch Stauraum und Staumauer. Die Grenztruppen der DDR trennten den östlichen Teil der Mauerkrone mit einer aufgesetzten Backsteinmauer und Stacheldraht ab.



Der Weg führt noch ein ganzes Stück am Stausee entlang, uns präsentiert sich ein umwerfender Ausblick. In der Ferne sehen wir den Brocken, wir müssen also noch ein ganzes Stück laufen bis wir dort sind. 



Die Pfade sind abwechslungsreich und erweisen sich manchmal als recht abenteuerlich, wir müssen aufpassen, dass wir nicht stolpern.




An der Rangerstation Scharfenstein beginnt der Hirtenstieg. Er führt auf einem alten Grenzkontrollweg der etwas weiter westlich verlaufenden ehemaligen innerdeutschen Grenze hinauf zum Brocken. Auf einem Wegweiser sind es noch etwa 4 km, das müsste zu schaffen sein. 


Wir wandern die ganze Zeit überwiegend bergan, ab jetzt wird es noch steiler. Wir kämpfen uns Schritt für Schritt in die Höhe. Die Muskeln unserer Beine brennen. Die Aussicht ist nicht zu toppen. Unter uns liegt in weiter Ferne der Stausee, kaum vorstellbar, dass wir vor einer Weile dort entlanggewandert sind.


Wir bleiben immer wieder stehen. Zum Einen um zu verschnaufen, zum Anderen um die phänomenale Aussicht zu genießen. Die Wolken scheinen sich vor dem Brocken zu stauen. Mal liegt das Tal im stockdunklen, mal sind einzelne Abschnitte sonnendurchflutet.


Durch die Anstrengung ist mir warm und ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke auf obwohl hier oben schon ein leichtes Lüftchen weht. Ich drehe mich oft zu Peter um, bin etwas schneller unterwegs wie er. 


Meine Beine brennen, ich wähne hinter jeder Kurve den Gipfel. Die Kilometer ziehen sich ganz schön in die Länge, unsere Geschwindigkeit liegt weit unter dem Durchschnitt von 5-7 km/h. Trotz der Anstrengung ist der Weg wunderschön, ich genieße den ersten Schnee dieses Winters. 

Dann ist es endlich soweit, hinter einer Kurve tauchen die Gebäude des Brockengipfels auf. Der Brocken ist mit 1.141 Metern der höchste Berg des Harzes und gehört zu einem der beliebtesten Ausflugsziele Deutschlands. 


Dunkle Wolken ziehen über die Brockenherberge und den Sendeturm. Wir waren schon einige Male oben und erinnern uns an die Kälte, den Wind und die zugigen Schutzhütten dort. Heute wird es nicht wärmer sein, deshalb sparen uns den letzten Kilometer. Hier ist ein schöner Platz für einen heißen Tee. Aber sobald wir uns nicht mehr bewegen, beginnen wir zu frieren.



Wir laufen ein Stück zurück und setzen unsere Pause in einer Schutzhütte fort. Die Stärkung haben wir uns nach dem fast 4-stündigen, anstrengenden Marsch mehr als verdient. Aber auch hier können wir uns nicht lange aufhalten ohne zu frösteln, deshalb machen wir uns kurze Zeit später wieder auf den Rückweg. 


Von jetzt an geht es fast nur bergab. Etwas weniger anstrengend aber trotzdem müssen wir sehr aufpassen, um nicht auf dem steilen Grenzweg auf einer Eisfläche unter dem Schnee auszurutschen. Wir kommen zügig voran. Vom vielen bergab laufen brennen die Muskeln unserer Beine jetzt an anderen Stellen. Obwohl es die selbe Strecke ist, haben wir aus der umgekehrten Perspektive  immer wieder wunderschöne, fast märchenhafte Ausblicke. 



Es ist zwar erst Nachmittag aber es wird  diesig und kühl. Nach insgesamt 7,5 Stunden Fußmarsch haben wir es geschafft und sind wir wieder am Auto.

Die Wanderung  war unbeschreiblich schön. Der Weg ist gut ausgeschildert, sehr abwechslungsreich und führt fast ausschließlich auf kleinen Pfaden durch eine wunderschöne Landschaft. Ich freue mich schon jetzt auf unseren nächsten Harzbesuch. 









25.10.16

Wanderung Harz Eckertal




Sonntag, 23. Oktober 2016
Wanderung Bad Harzburg - Eckertal
5,5 Stunden



Nachdem es gestern den ganzen Tag geschüttet hat, ist die Wetterprognose für heute etwas besser, es soll überwiegend trocken bleiben. Zum Radfahren haben wir nicht so recht Lust, deshalb entschließen wir uns spontan zu einer kleinen Wanderung im Harz. Es ist schon nach 10 Uhr als wir losfahren, deshalb entscheiden wir uns für das am schnellsten erreichbare Bad Harzburg als Startpunkt.


Um viertel nach 11 Uhr marschieren wir vom Großparkplatz hinter der Sole Therme über die Fußgängerbrücke Richtung Molkenhaus und Rabenklippen. Es geht gleich knackig bergan und wir kommen trotz des kühlen Wetters schnell ins schwitzen. 


Ich bin begeistert von den herbstlichen Farben der Bäume, von gelb über hellgrün bis braun ist alles dabei. 


Nach einer ganzen Weile kommen wir auf einen größeren Weg, hier begegnen uns noch einige Wanderfreudige, sogar ein Bus fährt hier von einer Haltestelle zur anderen.

Zwischen den Kiefern erhaschen wir hinter einigen Erhebungen einen Blick auf den verschneiten Brocken, dem höchsten Berg des Harzes. 


Am Wegesrand stehen sehr schöne Steinformationen zwischen den Bäumen. Und überall wachsen Fliegenpilze die aussehen wie aus dem Bilderbuch. 



An der Rabenklippe schlagen wir den Weg nach Eckertal (Ort) ein, leider sind wir ziemlich orientierungslos, da wir die Wanderkarte zu Hause vergessen haben.

Hier folgen wir wieder einem kleinen Pfad, der viel schöner und interessanter ist als der große Weg auf dem wir eben gelaufen sind. 


Dafür geht es ziemlich bergab, eine wunderschöne, mit Tannen und Laubbäumen bewachsene Schlucht liegt vor uns.



Wir können uns gar nicht satt sehen an der schönen Landschaft. Wie durch einen Tunnel aus Laub folgen wir dem Pfad. 


Neben uns plätschert die Ecker und bahnt sich ihren Weg über Gestein und Waldboden. 



Dann kommen wir an eine Stelle wo wir einige Waldpilze finden. Unsere Sammelleidenschaft ist geweckt und wir durchsuchen das Unterholz nach weiteren Pilzen. Wir haben Glück und finden noch mehr Exemplare. Nachdem wir einige Zeit mit Sammeln verbracht haben, beschließen wir, hier lieber umzudrehen. Wir sind uns nicht sicher, wo wir am Ende heraus kommen und wollen keine böse Überraschung erleben. Wir laufen etwa 2 km den Berg wieder hinauf, die Beine brennen und der Puls liegt im hohen Bereich. 


Oben angekommen machen wir erst einmal Rast und trinken den mitgebrachten Tee zur Notration Studentenfutter. 


Ab hier wählen wir einen anderen Weg Richtung Bad Harzburg, gemäß Wanderschild sind wir in 5,5 km am Ziel. Ein wunderschönes Panorama tut sich unterwegs auf und das Wetter ist klasse.



Wir laufen und laufen, die Beine werden langsam lahm. Aber die schöne Landschaft ist faszinierend.  


Als wir die ersten Häuser sehen wähnen uns am Ziel und erschrecken als auf dem Wegweiser nach Bad Harzburg immer noch 3,5 km angegeben sind. Da haben wir unterwegs wohl irgend etwas falsch gemacht. Wir sind im Ortsteil Ottenhai, genau am anderen Ende der Stadt. Also weiter geht’s, das schöne Wetter und die Landschaft entschädigt uns für die Anstrengung. 


Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir den Bad Harzburger Kurpark und kurze Zeit später das Auto, viel weiter hätte es heute nicht sein dürfen. 


Zum Wandern fehlt uns das Training, wir nehmen uns aber fest vor, das zu ändern. Alles in Allem war es eine super Wanderung, wir haben eine wunderschöne Landschaft erlebt, leckere Waldpilze für die nächste Mahlzeit gesammelt und einen schönen Tag gehabt. 









20.10.16

Kurzurlaub Wittenberge







Kurzurlaub Wittenberge, Elbe
13. und 14. Oktober 2016
177 km









Tag 1
Donnerstag, 13. Oktober 2016
Wittenberge – Havelberg – Wittenberge
86 km

Ich habe 2 Tage frei und mich mit meiner Freundin Marion zu einem Trip an die Elbe verabredet. Wir sind gerade in Wittenberge angekommen. Die Stadt im Bundesland Brandenburg liegt am nördlichen Ufer der Elbe. Am Sportboothafen der Stepenitz, die an dieser Stelle zusammen mit der Karthane in die Elbe mündet, ist unser Stellplatz und Startpunkt für die heutige und morgige Radtour. 


Um 10.15 Uhr sind wir auf der Strecke, das Wetter ist eher bescheiden, kühle 8 Grad und bewölkt. Ich ziehe einen dicken Pulli unter die Regenjacke und Handschuhe an. Ein eisiger Ostwind bläst uns entgegen als wir am „Schaukelschiff der Zeitreise“ des Künstlers C.Uhlig vorbeikommen. Hier stehen auch die ersten Schilder des Elberadweges. Wir entscheiden uns für Havelberg als heutiges Tagesziel. 


Erst fahren wir am Ufer der Stepenitz entlang. Von weitem sehen wir die blaue Brücke über Stepenitz und Karthane sowie die Eisenbahnbrücke über die Elbe.


Mein Navi schalte ich gleich wieder aus, an Fahrradschildern mangelt es hier nicht. Wir fahren erst durch die Altstadt, dann über die blaue Brücke und kommen ans rechte Elbufer. Der Radweg führt zum Teil oben auf dem Elbdeich entlang, weite Überflutungswiesen erstrecken sich zwischen uns und der Elbe. 



Es folgen ab und an kleine Ortschaften und eine Umleitung die uns auf einem Trampelpfad durch die Botanik führt. 



Hier in den Flussauen gibt es zahlreiche Gewässer neben der Elbe. Die Biosphären- und Naturschutzgebiete im Elbverlauf sichern den Erhalt der immer noch ursprünglichen Flusslandschaft, obwohl die Elbe auch als Wasserstraße genutzt wird. 



Die intakten Auwälder, Wiesen und die trockenen Dünen bieten vielen seltenen Tieren und Pflanzen natürliche Lebens- und Rückzugsräume. 



Einige Zeit später kommen wir durch Rühstädt, das storchenreichste Dorf Deutschlands. Zahlreiche Nester sind auf den Dächern gebaut, zu dieser Jahreszeit leider unbewohnt, die Störche haben sich längst in wärmere Regionen aufgemacht.



Dann passieren wir das Wehr Gnevsdorf und begleiten den Gnevsdorfer Vorfluter, einen etwa 11 km langen Kanal zwischen Havel und Elbe, der zum hiesigen Hochwasserschutzsystem gehört. 


Ein Stück weiter klettern wir auf einen Aussichtsturm und können hinter dem Kanal die parallel verlaufende Elbe sehen. 


Als wir den Turm verlassen, regnet es. Ich ziehe meine Kapuze über den Kopf und wir fahren weiter. Gegenwind und Regen – gemütlich ist was anderes. 



Als wir nach einer Weile die Havel erreichen, lässt der Regen nach. Meine Hose ist inzwischen nass, bei der Kälte fange ich an zu frösteln. Bis Havelberg geben wir nochmal ordentlich Gas und hoffen, dass es sich aufklärt. Der Himmel sieht aus als käme gleich der nächste Guss.

Über die Brücke des Stadtgrabens kommen wir in die Hansestadt  Havelberg. Im Hafen liegen einige kleine Sportboote, eine Fontäne sprüht Wasser in die Luft. Trotz des trüben Wetters sieht es hier sehr idyllisch aus. 


Die Besichtigung des auf einer Anhöhe liegenden Doms sparen wir uns, im Moment haben wir mehr Lust auf einen heißen Kaffee. Wir fahren einmal durch die Altstadt und hoffen auf eine Bäckerei in der Nähe. Die erste, die wir sehen ist unsere. In einer gemütlichen Sitzecke wärmen wir uns erst einmal auf und essen etwas. Die Pause hat gut getan, zum Glück ist es trocken geblieben. Wir folgen der guten Beschilderung und machen uns auf den Weg zur nahe gelegenen Elbe, die wir überqueren wollen. 


Eine wunderschöne alte Eiche am Wegesrand lässt uns dann nochmal kurz anhalten und die Fotoapparate zücken. 


Kurze Zeit später  bringt uns eine Fähre für 2 € pro Person  auf die linke Elbseite nach Räbel.


Jetzt folgen wir dem Elberadweg flussabwärts und kommen in die Hansestadt Werben, die drittkleinste Stadt Sachsen-Anhalts. Schon von weitem grüßt die St. Johanniskirche, ein Bilderrahmen animiert zum Fotografieren. 


Dann rollen wir durch das Elbtor, das letzte von einst fünf Stadttoren aus dem Jahre 1460-70. 


Wir drehen eine Runde um den Marktplatz, das markanteste Gebäude hier ist das Rathaus mit der König-Gustav-Säule. 


Eine Pause ist noch nicht wieder dran, außerdem müssen wir in Bewegung bleiben um nicht zu frieren, deshalb halten wir uns nicht lange auf und fahren weiter. Der Weg führt überwiegend auf dem Elbdeich entlang und der Rückenwind treibt uns angenehm schnell vorwärts. Es folgen wenige kleine Ortschaften und ganz viel Natur.



Die Wolken hängen immer noch tief aber bis auf ein paar Tropfen bleiben wir auf dem Rückweg trocken. Von weitem können wir schon die Eisenbahnbrücke sehen, die uns auf die rechte Elbseite nach Wittenberge bringen soll. Getrennt von den Schienen hat die Brücke einen schmalen Steg für Radfahrer und Fußgänger. Wir holpern über Holzbohlen, die laut krachend unter unseren Rädern nachgeben. 


Nach über einem Kilometern haben wir die Flutwiesen und die Elbe überfahren und sind wieder in Wittenberge. Es ist kurz nach 17 Uhr, die Stadtbesichtigung machen wir mit den Rädern. Die katholische Kirche St. Heinrich ist ein Foto wert und das wunderschöne Gebäude der Jahn-Schule. 



Nebenbei halten wir Ausschau nach einem griechischen Restaurant, die Kälte zehrt an den Kräften und macht hungrig. Der Grieche hat leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, dafür kehren wir beim Italiener gegenüber ein. Das Lokal sieht sehr einladend aus und ist vor kurzem erst neu eröffnet worden. Zum Abschluss des Tages essen wir sehr leckere Pizza und Pasta. 

Als wir das Lokal verlassen ist es bereits stockfinster und richtig kalt. Ich lasse uns von Naviki die 2 km durch die Stadt bis zum Womo führen. Bereits um 21 Uhr liegen wir erschöpft in den Kojen und schlafen ziemlich schnell ein.




Tag 2
Freitag, 14. Oktober 2016
Wittenberge – Lenzen – Wittenberge
91 km


Gut ausgeschlafen sitzen wir heute morgen am Frühstückstisch im gemütlichen Womo. Der für Punkt 8 Uhr angekündigte Brötchenservice lässt leider auf sich warten also essen wir Brot und sind satt als die Brötchen nach einer halben Stunde Verspätung doch noch gebracht werden.

Um kurz vor 9 Uhr sind wir bereits auf der Strecke, unser heutiges Ziel Dömitz ist etwas weit gesteckt aber zu schaffen. Wir wählen für die Hinfahrt die linkselbische Seite und nehmen den kleinen Umweg über die sichere Eisenbahnbrücke zur anderen Elbseite in Kauf. Die direktere Bundesstraße ohne Radweg ist uns zu gefährlich. Wir donnern wieder über die Holzbohlen und schauen von oben auf die Elbe und die weite Wiesenlandschaft mit den weidenden Kühen. 


Dann folgen wir den Wegweisern und fahren auf einem schönen Wirtschaftsweg von Ort zu Ort. Hinter Wahrenberg führt der Weg für ein kurzes Stück direkt am Elbufer entlang.



Es ist diesig und genauso kalt wie gestern aber durch den Rückenwind kommen wir gut voran. Wir verlassen das Ufer, der Weg führt uns durch die Wiesen, über das Flüsschen Aland und durch die Ortschaften Wanzer und Aulosen



Eine schöne und abwechslungsreiche Strecke. Es klärt sich immer mehr auf und die Sonne kommt langsam zum Vorschein. Wir schauen uns die Gegend an, genießen die Natur, quatschen und folgen so ganz nebenbei den grünen Pfeilen auf den Fahrradschildern.


Irgendwann fällt mir auf dass wir schon ungewöhnlich lange Gegenwind und die Sonne von vorn haben obwohl unser Ziel im Nordwesten liegt. Das nächste Schild weist Richtung Arendsee, ich bremse ab und stutze. Marion bemerkt, dass wir eigentlich schon längst in Schnackenburg sein müssten. Sieht so aus als hätten wir das fast Unmögliche geschafft: Wir haben uns trotz der guten Beschilderung verfranst. Warscheinlich sind wir ab Aulosen einem anderen Radweg gefolgt und haben nicht auf das Zusatzschild „Elberadweg“ geachtet. Wir drehen um, ich stelle mein Navi auf Schnackenburg. In Bömenzien müssen wir durch eine blöde Baustelle schieben bis ich merke, dass wir eigentlich wieder in die falsche Richtung fahren. 


Also doch lieber nicht nach Schnackenburg. Wir schieben ein 2. Mal durch die Baustelle, weil es so schön war und ich gebe Gorleben ins Navi ein. Jetzt sollen wir nochmal durch die Baustelle – tun wir aber nicht. Wir fahren einfach in die gefühlt richtige Richtung, bis Naviki nach einigen Metern nachgibt, umrechnet und uns hier weiterführt.

In den Flussradreiseführen sind keine Übersichtskarten, hier ist nur die unmittelbare Umgebung des Flusses abgebildet. Ich werde in Zukunft wieder meine Straßenkarte zur besseren Orientierung mitnehmen. Über den folgenden Weg können wir uns aber nicht beklagen, wir fahren auf einer ländlichen Nebenstraße durch Nienwalde nach Gartow und stoßen hier – oh Wunder – wieder auf den Elberadweg. 


Hier werden wir für das Hin und Her entschädigt: Der Gartower See liegt vor uns in der Sonne. Das Stillgewässer wurde in den 1970er Jahren künstlich angelegt und dient vor allem der Naherholung. 



Das Navi schalte ich wieder aus und wir achten in Zukunft immer besonders auf das kleine Zusatzschild des Elberadweges. Der führt direkt am Südufer des Sees auf einem asphaltierten Weg entlang. Der Abfluss am nordwestlichen Ende des Sees erfolgt über die Seege, einem Nebenfluss der Elbe. Wir überqueren sie auf einer schönen Holzbrücke und folgen einem Pfad durch die Wiesen bis zur nächsten Straße.


Wegen des kleinen Umweges und der Schieberei in der Baustelle haben wir etwas Zeit verloren. Deshalb entschließen wir uns, nicht mehr bis nach Dömitz zu fahren, zumal uns auf dem Rückweg Gegenwind erwartet. 

Bei Lenzen haben wir die Möglichkeit, die Elbe zu überqueren und schlagen diese Richtung ein. Ab Pevestorf rollen wir auf der Fährstraße bis zum Fähranleger und lassen uns auf die rechte Seite des Flusses übersetzen. 


Direkt am Ufer steht ein ehemaliger Grenzturm, der inzwischen zum Aussichtsturm ausgebaut wurde. Über eine Stahlspindeltreppe steigen wir hinauf aufs Dach und genießen einen hervorragenden Rundumblick über die einzigartige Natur der Lenzener Elbtalaue im sogenannten „Vier-Länder-Eck“ (Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern) 



Der Elbradweg zurück nach Wittenberge geht hier weiter. Wir beschließen aber, die etwa einen Kilometer entfernte Stadt Lenzen zu besuchen und hier unsere Mittagspause zu verbringen.

Lenzen hat eine wunderschöne Altstadt. Wir fahren durch beschauliche Gassen, sehen hübsche, denkmalgeschützte Häuser und bewundern die St.Katharinen-Kirche, an der rote Weinblätter die Fassade hinauf ranken. 


Dann machen wir uns auf die Suche nach einer Bäckerei und finden nach einigem Fragen gegenüber vom Netto etwas Geeignetes. An der Fischbude nebenan holen wir uns zu unserem Kaffee ein Fischbrötchen. Die Sonne scheint und hier ist es einigermaßen windgeschützt, sodass wir sogar draußen sitzen können.


Auf dem Rückweg fahren wir an der Burg Lenzen mit dem 24 Meter hohen Burgturm vorbei, von außen keine besondere Augenweide, die „Lenzener Narrenfreiheit“ auf dem Burgplatz um so mehr.



Dann fahren wir zurück zum Elbdeich, bis Wittenberge sind 32 km angegeben. Ab jetzt bläst uns heftiger Wind entgegen. Wir fahren oben auf dem Kamm und haben freie Sicht auf die Elbniederung aber auch keinerlei Schutz und müssen ganz schön kämpfen. 


Die Landschaft ist sehenswert. Beidseits der deutsch-deutschen Grenze war die Elbaue lange nicht zugänglich, die naturnahen Lebensräume der Elbe sind dadurch unzerstört geblieben. 


Neben etwa 200 Brutvögelarten nutzen nordische Gänse und Schwäne das Gebiet zur Rast und Überwinterung. Am Wegrand stehen Ansitzstangen für Greifvögel, die auch genutzt werden, wie man an den Hinterlassenschaften erkennen kann. Ich bewundere immer wieder den alten Baumbestand, besonders die Eichen haben es mir angetan.



Das UNESCO-Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ ist Deutschlands größtes im Binnenland gelegenes Biossphärenreservat. Abgesehen vom starken Gegenwind sind die ausgedehnten Wiesenlandschaften, die vielen Gewässer mit Schilfzonen und die Auwälder ideal zum Radfahren. 



Für mich ist das Ruhe und Entspannung pur. Marion tut sich etwas schwerer mit den Naturgewalten, der ein oder andere Fluch von ihr ist dem heftigen Wind gewidmet. Wir passieren kaum Ortschaften, Lütgenwisch und Müggendorf mit einer Handvoll Häusern, dazwischen das etwas größere Cumlosen. Für die nächsten 12 km folgen wieder ausgedehnte Wiesen. 



Auf der Zielgeraden nach Wittenberge fahren wir an einer Reihe gestutzter Bäume vorbei wie an einem Empfangskommitee



Kurz darauf haben wir es geschafft und stehen am WomoIn den zwei Tagen unseres kurzen Aufenthaltes haben wir wieder ein wunderschönes Stück Natur rings um die Elbe gesehen und „erfahren“.